Common-Interview 23.5.2000 im Karlstorbahnhof/Heidelberg


HIPHOPFOTOS: Du bist in Chicago aufgewachsen. Kannst Du uns etwas über Deine Kindheit dort erzählen und wie Du mit HipHop in Kontakt gekommen bist?

Common: HipHop existierte schon sehr lange in ‚Chicago's Underground'. Als es begann, sich national auszubreiten und mehr an die Öffentlichkeit zu treten, gab es in Chicago auch diese Underground Circle, wodurch ich auch zum Breakdancen und schließlich zum Emceeing kam. Durch Trips nach Cincinnati kam ich mehr und mehr zum Rappen und schrieb schließlich 1984 meine ersten Texte. In den 80ern kam ich also das erste Mal mit der Kultur in Berührung und seit dem bin ich dabei und mache HipHop.

HIPHOPFOTOS: Nach einiger Zeit bist Du von Chicago nach NY gezogen. Was waren die Gründe dafür und was hat sich dadurch für Dich geändert?

Common: Ich bin erst im Oktober 1998 nach NY gezogen. Wichtige Dinge waren es, anderen Kulturen ausgesetzt zu sein, von vielen Künstlern und Musikern umgeben zu sein und mit dieser Kreativität in Kontakt zu kommen. Durch diese große Anzahl von Artists gibt es dort ein großes Potential mit sehr viel Energie und Kreativität. Es war eine riesige Hilfe, mit diesen anderen Kulturen, wie die der Spanier, Afrikaner und die der Inder in Berührung zu sein. Und genau das war es, was mich bei meinem Umzug nach NY am meisten beeinflusste. (neben anderem)

HIPHOPFOTOS: Wie siehst Du die HipHop Entwicklung hier bei uns in Europa?

Common: Ich sehe, das die HipHop Szene hier ziemlich stark und bedeutend ist. Es gibt viele Artists aus Ländern, die wir schon besucht haben, die sich ausdrücken können und repräsentieren, wo sie herkommen. Ich habe etwas von ihrer Musik gehört, aber noch nicht sehr viel, aber ich kann sagen, dass es aus dem Herzen kommt- es ist gute HipHop Musik, was ich gehört habe. Es ist allerdings schwer, wenn Du selbst Texte schreibst und dann die Sprache nicht verstehst. Deshalb kann ich mich auch nicht hinsetzen und die Musik immer und immer wieder anhören, auch wenn sie gut ist. Aber es gibt hier definitiv sehr guten HipHop.

HIPHOPFOTOS: Du hast viele Features mit berühmten amerikanischen Artists auf Deinem neuen Album- hast Du auch mal daran gedacht, mit europäischen Künstlern zusammenzuarbeiten?

Common: Ja, ich habe darüber nachgedacht, Clubtours zu machen. Wir planten für Sixth Sense' Remixe mit anderen Künstlern aus verschiedenen Ländern zu produzieren, so wollten wir zum Beispiel für die deutsche Version mit einem großen deutschen Rapper zusammenarbeiten. Letztes Mal traf ich einige deutsche Cats in Hamburg, mit denen wir zusammen eine Single aufnehmen wollte, was aber dann doch nicht zustande kam, weil es jetzt zu spät war und ich anfangs davon nichts wusste. Vielleicht machen wir dann bei einer der nächsten Singleauskopplungen was zusammen.

HIPHOPFOTOS: Warum gab es so einen großen Zeitabstand zwischen Deinem letzten Album ‚One Day It'll all make Sense' von 1997 und dem neuen ‚Like Water For Chocolate', das dieses Jahr rauskam?

Common: Vor allem deshalb, weil ich für mich selbst mehr Zeit brauchte, um von meinem alten Label wegzukommen, bei dem ich damals war. Außerdem tourte ich dann noch bischen durch das Land. Und dann darfst Du nicht vergessen, dass ein Album wie ein Prozess ist. Wie ein Kind, dem Du Zeit lassen musst, sich zu entwickeln und Du weißt selbst, wie lange es dauert bis etwas geboren wird. Ich muss daran solange arbeiten, bis es auf einem Level ist, auf dem ich glücklich mit der Musik bin.

 

Fotos findet ihr in den ArtistGallerien.
Interview: Mathias Dauer
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